Werbung in ChatGPT für Schweizer Firmen
Am 24. August 2026 hat OpenAI Werbung in ChatGPT für 31 europäische Märkte freigeschaltet, die Schweiz gehört dazu. Buchen liess sich der Kanal am Anfang nur über das Ads-Team von OpenAI oder über Partneragenturen. Nun folgt der nächste Schritt: Der Ads Manager ist offen, und in der offiziellen Länderliste von OpenAI steht die Schweiz jetzt auf “Available” (geprüft am 2. September 2026). Schweizer Firmen können damit ein eigenes Werbekonto eröffnen und selbst Kampagnen aufsetzen.
Das ist der erste ernstzunehmende neue Werbeplatz seit Jahren, der weder Google noch Meta gehört. Grund genug, ihn nüchtern anzuschauen, bevor man Budget verschiebt.
Wie die Anzeigen aussehen
Die Anzeige erscheint unterhalb der Antwort, durch eine Linie abgetrennt und als Werbung gekennzeichnet. Sie steht nicht in der Antwort drin. OpenAI hält ausdrücklich fest, dass Werbung nicht beeinflusst, was ChatGPT inhaltlich antwortet. Wer in den Antworten selbst vorkommen will, braucht zitierfähige Inhalte und Belege. Das ist eine andere Arbeit, dazu haben wir hier etwas geschrieben: Google baut die Suche um.
Anzeigen sehen nur Personen im Gratis-Tarif und im günstigen Go-Abo. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bleiben werbefrei, Konten von Minderjährigen ebenfalls.
Der Schweizer Sonderfall
Personalisierte Werbung ist im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz zum Start nicht verfügbar. Die Anzeige wird über den Kontext des laufenden Gesprächs ausgewählt, nicht über ein Profil aus früheren Chats.
Für die Praxis heisst das: Sie kaufen einen Moment in einem Gespräch, keine Person mit Profil. Jemand schildert in drei Sätzen seine Lage und bekommt einen Rat. Darunter steht Ihre Anzeige. Das liegt näher an einem Beratungsgespräch im Laden als an einer Trefferliste mit zehn blauen Links.
Zugriff auf die Unterhaltungen bekommen Werbetreibende keinen. Wer aus Google Ads den Suchbegriffbericht gewohnt ist, muss sich umgewöhnen: Mit welcher Formulierung jemand auf Ihre Anzeige gestossen ist, sehen Sie nicht.
Was der Kanal noch nicht kann
Der Ads Manager läuft als Beta. Kampagnen aufbauen, Rechte vergeben, abrechnen und auswerten geht bereits, ebenso die Conversion-Messung über einen eigenen Pixel und eine Conversions API. Bei den Geboten haben Sie die Wahl zwischen Tausenderkontaktpreis, Klickpreis und einem conversion-optimierten Klickpreis.
Was fehlt, ist die Auswertungstiefe, die Sie aus Google Ads kennen. Impressionen, Klicks, Ausgaben und Conversions lassen sich nach Kampagne, Anzeigengruppe und Anzeige aufschlüsseln, bei den Geräten aber nur nach Mobile und Desktop. Ausgerichtet wird zudem nicht über Keywords, sondern über kurze Beschreibungen der Gesprächssituationen, in denen Ihre Anzeige auftauchen soll. Und die Steuerung läuft auf Länderebene. Eine Ausrichtung auf einzelne Regionen oder Postleitzahlen gibt es bisher nur in den USA.
Dazu kommen die Werberichtlinien, und die sind strenger, als die meisten erwarten. OpenAI arbeitet mit einer Positivliste statt mit einem Ausschlusskatalog. Zugelassen sind in der Startphase vor allem Konsum- und Haushaltsgüter, lokale Dienstleistungen, Reisen und Unterhaltung sowie digitale Produkte und Bildung. Alles andere ist vorerst nicht erlaubt.
Für Schweizer Firmen ist ein Punkt entscheidend: Werbung für Finanz-, Gesundheits- und Rechtsdienstleistungen ausserhalb der USA ist derzeit untersagt. Politische Inhalte sind ebenfalls ausgeschlossen, dazu Kampagnen zu kontrovers diskutierten gesellschaftlichen Themen. Praxen, Treuhandbüros, Anwaltskanzleien und politisch tätige Organisationen bleiben also draussen, egal wie gut die Anzeige wäre. Ob Ihr Angebot zugelassen ist, klärt man besser vor dem ersten Franken als nach der Ablehnung der ersten Anzeige.
Wann sich ein Test lohnt
Nicht für jeden. Sinnvoll ist der Kanal dort, wo Menschen sich vor dem Kauf beraten lassen: erklärungsbedürftige Produkte, Dienstleistungen mit Vergleich, alles mit längerer Entscheidungsphase. Wer Laufkundschaft über den Preis holt, wartet besser noch etwas ab.
Was wir Kundinnen und Kunden derzeit empfehlen: Budget umschichten statt draufpacken. Rechnen Sie dabei mit einem Mindest-Tagesbudget pro Kampagne. OpenAI staffelt es nach Abrechnungswährung, für Franken ist der Wert noch nicht publiziert, in vergleichbaren Märkten liegt er bei umgerechnet rund CHF 20 bis CHF 25 pro Tag. Für eine einzige Kampagne sind das gegen CHF 700 im Monat. Wer weniger einsetzen kann, wartet besser noch. Vorher gehört die Messung sauber aufgesetzt, mit konsistenten UTM-Parametern und einem geprüften GA4. Ohne das können Sie nach drei Monaten nicht sagen, ob der Kanal etwas gebracht hat.
Trotzdem spannender ist der Zeitpunkt: Solange der Self-Service jung ist, ist die Konkurrenz im Bieterverfahren dünn. Das ändert sich, sobald alle da sind. Wer jetzt testet, sammelt Erfahrungswerte, für die andere später bezahlen.
Das übernehmen wir für Sie
Sie müssen dafür nichts lernen. Das Werbekonto läuft auf Ihre Firma, wir werden mit den nötigen Rechten hinzugefügt. Wir prüfen zuerst, ob Ihr Angebot überhaupt zugelassen ist und ob der Kanal zu Ihrer Kundschaft passt. Danach bauen wir Kampagne und Anzeigen, setzen die Messung auf und melden uns mit Zahlen zurück, auch wenn sie mager ausfallen. Nach drei Monaten entscheiden Sie mit Daten statt mit einem Bauchgefühl.
Wir sind zertifizierte Google-Partner und betreuen seit Jahren Suchmaschinenwerbung für Schweizer KMU, Non-Profits und Bildungsinstitutionen. ChatGPT Ads kommt als Kanal dazu, die Arbeit dahinter bleibt dieselbe. Melden Sie sich bei uns, wenn Sie den neuen Werbeplatz testen möchten.

Michael Salzer
WordPress-Profi, Apple-Fan und unregelmässiger Jogger.